Das Projekt Sequential DSaster habe ich im Februar 1993 im Alter von damals 18 Jahren gegründet. In den Jahren bis dahin konnte ich dank Unterricht an Klavier und Kirchenorgel sowie umfangreichen Inhalten zu Harmonielehre, Musiktheorie und -geschichte ein umfangreiches Wissen über musikalische Strukturen und Ausdrucksmöglichkeiten sammeln.
Ein paar Jahre vorher habe ich dank Jean-Michel Jarre meinen ersten Kontakt zu Musik gehabt, die mit Synthesizern produziert wurde. Damit war für mich klar, dass ich meine musikalischen Ideen mit Synthesizern umsetzen wollte.
Nach ersten musikalischen Gehversuchen mit Playbackversionen Eurodance-Hits bekamen sehr schnell die ersten eigenen Ideen meine Präferenz. Einige der damals entstandenen Themen begleiten mich auch heute noch – auf eine immer wieder neue Weise.
In den folgenden Jahren konnte ich viele Erfahrungen sammeln – dabei habe ich auch regen Kontakt zu einigen DJs der damaligen Zeit gehabt, die mich zu einigen meiner musikalischen Ideen inspiriert haben.
Mit dem seit Ende der 1990er-Jahre beginnenden Internet-Boom entstanden noch vor dem Streaming-Zeitalter Plattformen wie MP3.de (quasi ein deutsches MySpace). Auf dieser Plattform ist es mir im November 2004 gelungen, als „Song des Tages“ ausgewählt zu werden. Das hat mir in Folge sehr viele Hörer und ein Angebot für einen Plattenvertrag beschert.
In den Jahren 2006 bis 2014 habe ich mich hauptsächlich auf andere Themen konzentriert und konnte Sequential DSaster nicht in dem Maße vorantreiben, wie es in den Jahren vorher der Fall war.
Im Sommer 2014 habe ich mich jedoch nach gesundheitlichen Problemen wieder stärker darauf besonnen, die Musik erneut voranzutreiben. Allerdings hatte sich die gesamte Produktionsweise mittlerweile komplett geändert, so dass ich vieles neu lernen musste. Dank meiner Technikaffinität ist mir der Schritt zum Glück recht leicht gefallen.
Auch die Art und Weise, wie heute Musik angehört wird, hat sich stark verändert. Hat in den 1990er- und 2000er-Jahren der Musikkonsum hauptsächlich auf HiFi-Boxen oder im Club stattgefunden, wurden diese Systeme inzwischen durch Kopfhörer, portable Bluetoothboxen oder Lautsprecher am Mobiltelefon ersetzt.
Gleichzeitig findet Musik auch als Untermalung von Videoclips in Sozialen Medien statt, die durch ihre geringe Länge eine komplett andere Herangehensweise an den musikalischen Aufbau erfordern, als es in Zeiten von CDs und Clubbesuchen der Fall war.
Aber die Form des Musikkonsums zusammen mit der Demokratisierung der Musikproduktion empfinde ich als eine hochspannende Situation: Wir Künstler – um so mehr, als wir von KI-Systemen herausgefordert werden – müssen es schaffen, unsere Hörer von unserer Musik zu überzeugen. Es geht also um was.
Und genau deshalb mache ich weiter!
Ich habe nie vordergründig Musik komponiert und produziert, um reich und berühmt zu werden, sondern weil ich etwas mit meiner Musik mitteilen und ausdrücken möchte. Und das ist der entscheidende Unterschied zur „künstlichen Intelligenz“: ein Algorithmus hat keine Motivation oder einen inneren Antrieb, sondern bekommt einfach nur eine Aufforderung, die er umsetzt.
Insofern leben wir gerade in sehr spannenden Zeiten.
